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  Das Schwein und das Nichts - von Michael Stiller

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Irgendwo im Nirgendwo standen unscheinbare Hallen; in ihrem Inneren roch es
nach dem, was sich die Menschen nach Feierabend von den Händen wuschen:
etwas trockener Schmutz, hier und da kupfern geronnenes Blut und über allem
der warme Mantel von fleischigem Todeshauch.
Unter dem Banner von "Leviathan GmbH & Co. KG", das in seiner
Schlangengestalt durchaus an die Kaufhauskassen, Beamtenschalter,
Arbeitslager und Gefängnisse der kurzen Menschengeschichte erinnerte, wurden
viele geboren: auch der kleine Tom, den man ein Schwein nennen würde, wenn
man nicht wüsste, dass sich die Menschen damit beschimpften, wurde in eine
Welt abgesondert, die den Wesen gehörte, deren Hände nie viel mehr als
Gitterstäbe und Schlachtwerkzeuge geschmiedet hatten; seine Haut war von
leichtem Rosa und mit dünnen Härchen bedeckt -nicht viel anders als die, die
ihn nun an der Kehle in die fliegenbevölkerte Luft hob um sein
frischgeborenes kleines Ohr, das noch nicht viel mehr als seine eigenen
Schreie gehört hatte, zu verstümmeln, seine unbenutzten Zähne abzufeilen und
ihm sein Geschlecht zu nehmen.
Von nun an trieb die Zeit an ihm vorbei, wie auf einem Laufband: Der Schmerz
ersetzte ihm Geborgenheit und die speckigen, nach vergangenem Leben
riechenden Hände, die ihn so schnell und überpünktlich kastriert und
gebrochen hatten, ersetzten ihm die Mutter. Bald lernte er Dankbarkeit: er
dankte für das Futter, das ihn so schnell wachsen ließ, er dankte dafür,
dass er deshalb keiner von denen war, die die Menschen Mickerlinge nannten,
bevor sie sie an den Hinterläufen packten und gegen den Boden schleuderten,
bis sie tot waren -und vor allem dankte er dafür, dass es unmittelbar rechts
und links von ihm stählerne Gitterstäbe und unter ihm den staubig kalten
Boden gab, auf denen er ruhen konnte, wenn seine überlasteten Beine seinem
aufgeblähten Körper nicht mehr gewachsen waren.
Die Sonne schien hier nicht zu scheinen, stattdessen herrschte scheinbare
Ruhe, wenn man schon die Schreie nicht mehr hörte und man sich nur manchmal
fragte was es heißen sollte allein zu sein; denn man war nicht -man wurde
nur schwerer und schwerer, blinzelte dabei hin und wieder zu seinen Nachbarn
herüber und fragte sich, was das alles nur sein mochte.
Die kalten Stangen drückten sich langsam in Toms aufgequollene Flanken;
dahinter gab es zwar vermutlich Leidensgenossen, aber er hatte keinen von
ihnen jemals berühren können um seine verkümmerten Schweineaugen und seine
verstümmelten Schweinsohren zu bestätigen: die meisten Schweine hatten
längst aufgegeben und waren verstummt, manche jedoch kreischten noch immer
um Hilfe, zitierten dabei sogar jenen geheimnisvollen Satz, den die
zweibeinigen Schöpfer ihrer Käfigwelt hin und wieder aus ihren großen
Schnauzen zischten: "Oh, mein Gott!" -wer das wohl sein mochte?; ob er Tom
ein etwas größeres Gehege bauen konnte?
Auf diese Idee würde er wahrscheinlich nur dann kommen, wenn er die richtigen Sinne besaß: wenn er jemals Fleisch vor der Schlachtung in all seiner Agonie gesehen hatte, wenn er jemals das Schreien und Quieken desselben gehört hatte, wenn er tatsächlich wusste, wie Blut und Exkremente riechen konnten, wenn sie in Litern den Boden durchtränkten, wenn er das alles einmal geschmeckt hatte, weil er nicht mehr stehen konnte und nicht mehr mit verstümmelten Zähnen in kalte, eiserne Stäbe beißen wollte; und vor allem wenn er ein Leben zwischen Schmerz, Angst vor noch mehr Schmerz und der verzweifelten Frage nach einem Sinn –oder wenigstens einem Ende— nachfühlen konnte. Tom bezweifelte das, denn dann müsste ein solcher Gehegebauer ja in genau so einem Leben; warum würde er sein eigenes Leid reproduzieren wollen?

Natürlich stellte sich dieses Schwein solche Fragen aus reiner Unsicherheit, denn jeder Mensch würde ihm sein Schicksal erklären können –und warum er manchmal von einem Gott sprach?: erst recht.
Tom fühlte sich irgendwie Fremd, obwohl ihm kein anderes Leben bekannt war; vermutete manchmal, dass ursprünglich seine Beine zum Gehen, seine Zähne zum Beißen und… für die anderen Teile fiel ihm keine Funktion ein; für Gehen und Beißen bei näherer Betrachtung seiner Welt auch nicht –vielleicht hatte man ihn einfach nur möglichst funktionierend gemacht: Schmerzen gehörten dann wohl dazu.
Zweifel an seiner Idee, dass er in der beste aller Welten lebte, kamen ihm erst, als er eine andere sah: Licht brannte in seinen Augen; mit den Schlägen einer Eisenstange trieb man ihn in diese neue Welt, ganz aus Farben und Schreien gemacht.
Dumpfe Einsamkeit, schluchzende Ruhe und blasser Frieden waren vorbei; Fremd waren die Schweine schon gewesen, wo sie waren, doch nun entführte man sie selbst von dort.
Es wurde immer enger und Welten pfiffen im Wind vorbei; manch ein kleines Schwein zerbrach unter dem Gewicht größerer Schweine, manch ein Außenseiter fror einfach fest.
Tom schaute sich um, wer denn wohl mit ihm die Reise des Lebens teilte und sah nichts als Jammer, Angst und Verzweiflung unter Augenlidern rollen, sah dass manche vom Durchhalten predigten, von Erlösung träumten, oder ihre Lage zynisch belächelten, aber hinter geschlossenen Augen haderten sie wie die anderen: Man sah weder ein Ziel noch wenigstens eine Rast; man kannte nichts, worauf man hoffen konnte; und man hatte Schmerzen –wusste oft nicht einmal woher sie kamen.
Tatsächlich schien die Zeit voranzuschreiten, tatsächlich schien die Fahrt ein Ziel gehabt zu haben; freilich waren viele inzwischen längst äußerlich und/oder innerlich gestorben.
Tom allerdings hatte ausgehalten; durch all den Stahl, den Beton, das Blut, die Kälte und nicht zuletzt die Schmerzen –nicht weil er es sich gewünscht hätte, sondern weil er der Meinung war, dass die Pointe noch ausstand.
Wollte man so zynisch sein, hier von einer Pointe zu sprechen, so sah sie folgendermaßen aus: Man trieb Tom unter schmerzen durch weitere Irrwege, denn etwas anders schien es auf der Welt nicht zu geben; irgendwann schnitt man ihm irgendwo die Kehle auf –da hing er schon Kopfüber; in kochendem Wasser starb er dann, denn er war nicht rechtzeitig gestorben, bevor man seinen Lebensrest durch einen Enthaarungstank zog.
Wäre der Tod eine Erlösung, müsste man sich fragen, wozu das Leben denn zu leben wäre; hätte das Leid einen Sinn, müsste man sich fragen, worin er denn bestehen sollte; und könnte man auch nur das allerkleinste an all dem ändern, müsste man sich fragen, warum man es nicht tat, wenn es doch ansonsten keine Hoffnung gab.
Fragen gab es für Tom nun keine mehr.
Er wurde geschlachtet und kam Stück für Stück in den Handel; kaum anders als ein Mensch, wenn er seine Werktage an die Wirtschaft, seine Träume an die Zufriedenheit und seine Liebe an die Gewohnheit verkauft.

Das Buch von Michael Stiller hat den Titel "Feuer". 
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Diese kleine Geschichte über das Schicksal von einem Schwein, was Tom heißen könnte, ist von Michael Stiller (Schriftsteller), der sich über das Leben und Sterben von sogenannten Mastschweinen Gedanken gemacht hat und versuchte an ihnen auf zu zeigen, was der Mensch einerseits tut, was aber andererseits auch mit ihm getan wird. Denn wenn man zwischen den Zeilen liest, erkennt man dass Tom auch ein Symbol ist, für allerhand lebendes, das man auch im Supermarkt treffen kann.
Diese Geschichte hat Michael uns zur Verfügung gestellt, um die Menschen zum Nachdenken zu bewegen und es ihnen zu erleichtern,  eine Verbindung von ihrem Schnitzel zu dem Lebewesen Schwein herzustellen, was ebenso ein Leben und Gefühle hat wie wir und dementsprechend auch ein Recht hat zu Leben und das ohne Qualen, Schmerzen und Leid.
Jeder sollte mal darüber nachdenken was er eigentlich auf seinem Teller hat und ob es das wirklich Wert ist für einen kurzen Gaumenkitzel so viel Leid und Tod zu verursachen. 
Heutzutage gibt es eine große Auswahl von veganen und vegetarischen Lebensmitteln, sodass wir nicht mehr, wie vor einigen tausend Jahren, darauf angewiesen sind, uns wie Neandertaler zu verhalten und tote Tiere zu verzehren.
In Reformhäusern und Internetshops findet man mittlerweile eine riesige Auswahl von Fleischersatzprodukten, die dazu auch noch ohne Cholesterin, Antibioticker und ähnlichen ungesunden krank machenden Inhaltsstoffen sind. Statt dessen mit vielen lebenswichtigen Vitaminen und Nährstoffen angereichert sind. Außerdem besteht keine Gefahr mehr von Salmonellen, BSE, Gammelfleisch und der gleichen.
Ganz zu schweigen davon, das Sie nicht mehr dazu bei tragen unsere Umwelt zu schädigen, durch die Abholzung der Regenwälder um Weideflächen zu schaffen, Millionen Tonnen Gülle und Jauche die wegen der Massentierhaltung in die Umwelt gepumpt werden und unser wichtigstes Element, das Wasser, auf Dauer zu verschmutzen und das Getreide, was so wichtig ist für Menschen die kaum zu essen haben, jedoch an die Massentierhaltung verfüttert wird und das alles nur, für einen kurzen Gaumenkitzel, der Fleisch heißt !
Eileen Jesiek
Stimmen der Tiere e.V.
(Hinweis:
Die Geschichte von Tom unterliegt dem Copyright, da sie speziell für uns geschrieben wurde.
Wer allerdings Interesse an dieser Geschichte hat und sie auf seine Homepage übernehmen möchte, kann sich mit uns in Verbindung setzen unter
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Wenn Sie mehr über Schlachten und Massentierhaltung erfahren möchten und den Mut haben sich den Tatsachen zu stellen, dann lesen Sie auch den Bericht HIER

Leo Tolstoi, russ. Schriftsteller:
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut ; Kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser ; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht - Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst - Darauf kommt alles an.
  

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